Günter Heini Dez

Wir gewinnen zu wenig neue Kunden

Obwohl unser Vertrieb eigentlich gut aufgestellt ist

Wir gewinnen zu wenig neue Kunden

Dein Vertrieb arbeitet. Deine Vertriebsmitarbeiter kennen die Produkte. Sie kennen die Anwendungen. Sie sind auf Messen. Sie besuchen Kunden. Sie telefonieren. Sie schreiben Angebote. Und trotzdem bleibt am Ende eine Frage:

Warum gewinnen wir eigentlich so wenige wirklich neue Kunden?

Bestandskunden bestellen weiter. Empfehlungen funktionieren. Auf Messen entstehen Kontakte. Aber wenn du ehrlich auf deine Vertriebspipeline schaust, kommen viele Verkaufschancen immer wieder aus denselben Quellen.

Neue Kunden systematisch zu gewinnen, wird schwieriger.

Das Problem ist nicht unbedingt dein Vertrieb

Die erste Reaktion liegt nahe:

Wir müssen mehr Akquise machen.

  1. Mehr telefonieren.
  2. Mehr potenzielle Kunden ansprechen.
  3. Mehr Termine vereinbaren.
  4. Mehr Angebote schreiben.

Das kann funktionieren. Aber vielleicht liegt das eigentliche Problem an einer anderen Stelle. Denn dein Vertrieb arbeitet heute in einem Markt, in dem sich das Verhalten der Kunden verändert hat.

Der Kunde wartet nicht mehr darauf, dass dein Vertrieb ihn informiert. Er informiert sich selbst.

Dein potenzieller Kunde ist längst unterwegs

Stell dir einen Konstrukteur oder technischen Einkäufer vor. Er hat eine neue Aufgabe. Vielleicht muss er etwas bewegen, positionieren, automatisieren oder beschleunigen. Vielleicht funktioniert eine bestehende Lösung nicht mehr.

Was macht er?

  1. Er ruft nicht unbedingt sofort drei Lieferanten an.
  2. Er recherchiert.
  3. Er sucht bei Google.
  4. Er besucht Websites.
  5. Er liest Fachartikel.
  6. Er schaut sich Lösungen und Anwendungen an.
  7. Er nutzt vielleicht LinkedIn.
  8. Und zunehmend fragt er auch ChatGPT, Claude oder Perplexity.

Lange bevor dein Vertrieb von diesem Projekt erfährt, hat die Informationssuche bereits begonnen.

Und während dieser Recherche passiert etwas Entscheidendes: Der potenzielle Kunde bildet sich eine Meinung.

Dein Vertrieb startet deshalb häufig nicht mehr bei null

Wenn der Kunde irgendwann Kontakt mit deinem Vertrieb aufnimmt, hat er möglicherweise bereits: andere Anbieter gefunden.

  1. Lösungsansätze verglichen.
  2. Websites besucht.
  3. Fachartikel gelesen.
  4. Produkte angesehen.
  5. erste Anbieter ausgeschlossen.
  6. und vielleicht sogar einen Favoriten im Kopf.

Das bedeutet:

Der eigentliche Wettbewerb um den Kunden beginnt heute häufig, bevor dein Vertrieb überhaupt weiß, dass es diesen Kunden oder dieses Projekt gibt.

Und genau das verändert Neukundengewinnung im Maschinenbau.

Mehr Akquise allein löst dieses Problem nicht

Natürlich bleibt aktive Vertriebsarbeit wichtig. Gerade im Maschinenbau. Persönliche Beziehungen, technische Beratung und gute Vertriebsingenieure werden nicht überflüssig. Im Gegenteil.

Maschinenbau bleibt People Business.

Aber wenn der Kunde einen Teil seiner Entscheidung bereits vor dem ersten persönlichen Kontakt vorbereitet, reicht es nicht mehr, erst dann sichtbar zu werden, wenn dein Vertrieb ihn erreicht. Dein Unternehmen muss schon vorher relevant sein.

Das notwendige Wissen dafür habt ihr wahrscheinlich längst

Und genau hier liegt bei vielen Maschinenbauunternehmen eine große ungenutzte Chance.

Denn dein Vertrieb beantwortet jeden Tag Fragen wie:

  1. „Welche Lösung passt zu unserer Anwendung?“
  2. „Worauf müssen wir bei der Auslegung achten?“
  3. „Welche Alternative gibt es?“
  4. „Welche Fehler sollten wir vermeiden?“
  5. „Was kostet uns diese Lösung wirklich?“
  6. „Welche Vor- und Nachteile haben die verschiedenen Möglichkeiten?“
  7. „Wie haben andere Unternehmen diese Herausforderung gelöst?“

Dieses Wissen steckt in deinem Unternehmen.

  1. Im Vertrieb.
  2. In der Konstruktion.
  3. In der Anwendungstechnik.
  4. Im Service.

Das Problem ist häufig nicht fehlendes Wissen.

Das Problem ist: Der potenzielle Neukunde sieht zu wenig davon, bevor er mit deinem Vertrieb spricht.

Was wäre, wenn dein Vertrieb nicht jedes Gespräch bei null beginnen müsste?

Stell dir vor, ein potenzieller Kunde kennt dein Unternehmen bereits, bevor dein Vertriebsmitarbeiter mit ihm spricht.

Er hat einen hilfreichen Fachartikel gelesen.

Er hat eine ähnliche Anwendung auf deiner Website gesehen.

Er hat Antworten auf zwei oder drei seiner wichtigsten Fragen gefunden.

Vielleicht ist ihm einer deiner Experten auf LinkedIn begegnet.

Und wenn dein Vertriebsmitarbeiter schließlich mit ihm spricht, denkt der Kunde nicht:

„Wer seid ihr eigentlich?“

Sondern:

„Die scheinen sich mit meinem Problem auszukennen.“

Das verändert die Ausgangssituation für deinen Vertrieb erheblich.

Denn Vertrauen muss nicht erst im ersten Verkaufsgespräch bei null aufgebaut werden.

Vielleicht brauchst du deshalb nicht einfach mehr Vertriebsaktivität

Vielleicht lautet die entscheidende Frage nicht:

„Wie bekommen wir unsere Vertriebsmitarbeiter dazu, noch mehr potenzielle Kunden anzusprechen?“

Sondern:

„Wie schaffen wir es, bei potenziellen Neukunden bereits relevant zu sein, bevor unser Vertrieb mit ihnen spricht?“

Denn wenn sich der Kaufprozess nach vorne verlagert, muss sich auch ein Teil deiner Vertriebsarbeit nach vorne verlagern.

Nicht indem deine Vertriebsingenieure plötzlich zu Influencern oder Content-Produzenten werden.

Sondern indem das Wissen, das heute ohnehin in deinem Unternehmen vorhanden ist, früher für potenzielle Kunden sichtbar und nutzbar wird.

Warum kommt dein Vertrieb heute häufig erst so spät ins Spiel?

Genau das sollten wir uns als Nächstes ansehen.

Denn bevor wir darüber sprechen, wie dein Vertrieb früher relevant werden kann, müssen wir verstehen, wie sich die Informations- und Kaufprozesse deiner Kunden verändert haben.

→ Warum der Vertrieb im Maschinenbau immer häufiger zu spät ins Spiel kommt